Abenteuer „Welly-World“

Eine Woche lang war Janne in der aufregenden Pferdewelt von Florida unterwegs. Sie nimmt euch mit auf eine Reise durch „Welly-World“ und berichtet von ihren Erfahrungen.

1. Ziel: Ocala, Florida:

Mitte März habe ich mich mit zwei Freunden auf den Weg nach Florida gemacht. Unser erstes Ziel war das große Springturnier in Ocala. In der Nähe des Disney-Parks in Orlando treffen sich von Januar bis März hunderte Reiter und Pferde, um ihr Können in Hunter- und Springprüfungen zu messen. Auf mehr als zehn Plätzen gehen hier Kinder, Amateure und Profis in allen Klassen an den Start.

Im März 2014 ist Janne in Wellington gewesen. Da das Winter Equestrian Festival nun wieder begonnen hat und Sie vielleicht in den kommenden Wochen News darüber lesen werden, veröffentlichen wir nun noch einmal den Reisebericht.

Andere Prüfungen – alte Bekannte

Besonders beliebt sind die Hunterklassen. Die Reiter sollen auf ihren Pferden einen rhythmischen Parcours absolvieren. Besonderen Wert wird auf die Linienführung, den richtigen Handgalopp, einen gleichmäßigen Sprungablauf und ein stets ausbalanciertes Pferd mit „langem Hals“ gelegt. Die Parcours sind nicht hoch und schwer, sondern sehr ansprechend gebaut. Die Sprünge haben Unterstellteile und Vorlegestangen, die Linien und Distanzen sind sehr einfach. Jedes Paar hat die Chance auf eine gute Nullrunde und bekommt Wertnoten für die gezeigte Leistung.

Da es für jede Zielgruppe eine eigene Prüfung gibt, treten die Reiter nur gegen Gleichgesinnte an und haben schnell Erfolgserlebnisse. Natürlich gibt es auch klassische Springprüfungen. Vom 1m-Springen bis zum 1-Million-Dollar-Grand-Prix auf Olympia-Niveau steht auch hier für jeden das Richtige zur Auswahl.

Besonders habe ich mich gefreut, Corlensky wiederzusehen. Wir haben den Hengst vor etwa zwei Jahren nach Ocala verkauft. Er sieht sehr gut aus und macht den neuen Besitzern täglich Freude.

2. Ziel: Die „Welly-World“, Wellington

Das zweite Ziel unserer Reise war das Winter Equestrian Festival in Wellington in der Nähe von Miami. Während Ocala noch sehr bodenständig und vom Stil mit hiesigen ländlichen Turnieren zu vergleichen ist, erreicht man in Wellington eine ganz eigene Welt. In der „Welly-World“ dreht sich alles ums Pferd: Pferde haben oftmals Vorfahrt und es gibt extra Ampeln, die Schalter auf Reiterhöhe haben. Im Ort sieht man mehr Leute in Reithosen als in Jeans und in der Stadt leben mehr Pferde als Menschen.

Das Turnier an sich ist einzigartig: Reiter aus 30 Nationen kämpfen mit über 3000 Pferden in 12 Wochen um mehr als 6 Mio Preisgeld. Die Teilnehmer sind zwischen sechs und 75 Jahre alt, vom Ponyanfänger bis zum Olympiasieger ist alles vertreten. Die Reiter treten auf zwölf Prüfungsplätzen von Dienstag bis Sonntag in 55 unterschiedlichen Klassen an. Während die ersten drei Tage oft als Training genutzt werden, geht es am Wochenende dann um Punkte, Geld und Platzierungen.

Auch in Wellington ist der Huntersport sehr beliebt. Daneben gibt es die sogenannten Equitation-Klassen, die den deutschen Stilspringprüfungen ähneln. Hier haben auch Reiter eine Chance, deren Pferd nicht dem „edlen Huntertyp“ mit perfekten Bewegungen und idealem Sprungablauf entspricht. Es werden vor allem Sitz und Linienführung des Reiters bewertet.

Der klassische Springsport ist in Wellington weiter verbreitet als in Ocala. Jeden Tag gehen Amateure in kleinen Prüfungen an den Start während Profis sich in schwersten Springen bis zu 1,60m messen. Das Niveau in diesen großen Springen ist sehr hoch. Pferde und Reiter gehören zu den besten der Welt, die Plätze sind groß und die Sprünge dementsprechend hoch und weit. Ohne ein schnelles Grundtempo sind Zeitfehler garantiert. Die Pferde müssen sich erst an diese besonderen Bedingungen gewöhnen und wachsen mit den Aufgaben. Dieses geht recht schnell, weil die Pferde jeden Tag auf den Plätzen trainieren bzw. in allen Klassen starten dürfen – auch ein Grand-Prix-Pferd darf zur Eingewöhnung in einem 1,20m-Springen gehen.

Hunderte Reitanlagen dicht an dicht

Hunderte Reitanlagen, eine schöner und größer als die andere, sind direkt in Wellington um die Turnierplätze gebaut. Die meisten Reiter wohnen dort nur in der Turniersaison, also von Dezember/Januar bis März/April. Im Sommer plagen Insekten sowie feuchte Hitze und im Herbst Stürme das Gebiet in Florida. Die meisten gehen deshalb gleich nach dem Circuit wieder zurück in ihre Heimatställe, die sich oft in Europa, im Norden der USA oder Kanada befinden.

Viele Nachkommen in Wellington

In allen Prüfungen konnte ich Nachkommen unserer Hengste ausfindig machen. Besonders beliebt sind dort die Kinder von Casiro, Quality und Lordanos. Diese sind schon ausgebildete Springpferde und machen dort einen tollen Job in Hunterprüfungen, Equitation-Klassen und großen Springen. Kanada’s Olympia-Hoffnung Ben Asselin (19 Jahre) hat bespielweise einen sehr guten 6-jährigen von Casiro am Start. Rodrigo Pessoa hat seinen Let’s Fly von Lordanos an seine Frau Alexa abgegeben, die nun mit ihm erfolgreich ist. Er selbst hat dafür einen Youngster von Quality – Lordanos bekommen. Die Hengste Olympic Fire und Quincento erfreuen täglich ihre neuen Amateurreiter-Besitzer.

Zuchtinteresse in Amerika

Leider ist es sehr schwierig, die Ergebnisse der nach Amerika verkauften Pferde oder Nachkommen weiterzuverfolgen. Viele Besitzer ändern den Namen des Pferdes, wenn er schwierig auszusprechen ist. Bei den Starterlisten sind leider so gut wie nie Abstammung oder Züchtername angegeben. Ich habe den Veranstalter darauf hingewiesen, dass das doch sehr interessant sei. Aber leider scheint es ihnen zu aufwändig zu sein, diese Details hinzuzufügen. In den USA sind leider doch nur die wenigsten Pferdeleute zuchtinteressiert. In ihren Augen sind die Europäer für die Produktion der Pferde zuständig und sie für den Import. Eine aus unserer Sicht traurige Mentalität, die allerdings in der Pferdewelt Amerikas ganz selbstverständlich ist.

Im Importieren von Pferden sind die Amerikaner dafür umso besser. Insgesamt 9,2 Mio Pferde leben in den USA, die meisten wurden aus Europa eingeflogen. Tausende reiten jedes Wochenende Turniere und alle sind sie auf der Suche nach gut ausgebildeten Pferden. Dabei ist vor allem wichtig, dass sie den Reitern Spaß bringen. Fast alle betreiben den Sport als Hobby und wünschen sich hübsche Pferde, die ehrlich sind und „funktionieren“. Herausragende Top-Sportler, die auch etwas schwieriger sein dürfen, suchen nur die wenigen Profis.

Was ich vorbildlich finde

Besonders beeindruckt hat mich bei beiden Turnieren, wie viele Menschen begeisterte Reiter sind. Kinder und Amateure treten gegen Gleichgesinnte an. Es gibt unterschiedlichste Prüfungen für jede Zielgruppe und jeder kann mit Freude an den verschiedenen Wettbewerben teilnehmen. Eine gute Runde in einem 1m-Springen ist für viele Amateurreiter ein ebenso großes Erfolgserlebnis wie für Profis der Sieg in einem Großen Preis – das ist den Veranstaltern der Turniere sehr bewusst.

Da können wir uns in Deutschland sicher noch etwas abschauen. Leider treffe ich hier oft Amateure, die den Turniersport aufgeben, weil sie es satt haben, am Samstagmorgen um 7 Uhr früh gegen Kinder mit schnellen Ponies in A-Springen anzutreten. Sie betreiben den Reitsport als Hobby und möchten natürlich Spaß daran haben. Ich finde nicht alles gut, was die Amerikaner im Pferdebereich machen. Viele amerikanische Reiter haben zudem noch mehr Zeit und vor allem mehr Geld als die meisten Deutschen. Auch die Hunterprüfungen sind sicher speziell. Aber die Art und Weise wie alle Reiter und auch die Pferdebesitzer für den Sport begeistert werden, ist vorbildlich. Sicher auch für eine so erfolgreiche Reiternation wie Deutschland.

Ich hoffe, dass wir auch unseren Reitsport in Zukunft attraktiver machen können. Das wäre für alle Züchter, Reiter, Händler und Pferdebesitzer sowie alle, die mit Artikeln rund ums Pferd ihr Geld verdienen, wünschenswert.

Vielleicht möchten Sie ja auch mal in andere Länder reisen und dort die Pferdewelt anschauen? Ich kann es nur empfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert